Lernschritte: Öfter „und“ statt „oder“ denken

Es gibt so viele Stellen in der Bibel, in denen auf den ersten Blick nur Männer angesprochen oder genannt werden. Historisch lässt sich darüber viel sagen, aber die meisten Christen, die ich kenne – auch sehr konservative – haben inzwischen keine Mühe mehr, sich hier ein „und“ dazu zu denken: Frauen sind natürlich mitgemeint, wenn etwa Petrus in seiner Pfingstpredigt „Ihr Männer, liebe Brüder“ sagt. Dass das der Wortsinn des Textes streng genommen nicht hergibt, spielt dabei glücklicherweise keine Rolle mehr: Wir verstehen das inklusiv. Bei Amtsträgerinnen hat das mit dem „und“ etwas länger gedauert, aber inzwischen ist es – unter Evangelischen – weithin selbstverständlich.

Und nun steht derselbe Schritt noch einmal an: Gelten die Verheißungen Gottes für die Ehe nur, wenn die Partner verschiedenen Geschlechts sind (das wäre die „oder“-Variante), oder können wir auch hier ein „und“ setzen, das in den biblischen Texten noch nicht dasteht?


Tyler Nix

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Er braucht ein Gegenüber. Und sollte das Gegenüber, das ein Mensch findet, dasselbe Geschlecht haben, dann liegt die Lösung nicht darin, dass er deswegen doch lieber allein bleiben soll, auch wenn es ihm erkennbar nicht gut tut.

Die Schöpfungstexte selbst formulieren kein solches „Oder“, sie nennen als unerwünschte Alternative nur das Alleinsein, und sie beschreiben ohne zu normieren. Sie lassen uns den Raum, hier kein einschränkendes „oder“, sondern ein einschließendes „und“ zu setzen.

Klar: Beides ist verantwortete Interpretation. Aber hier das „und“ zu setzen ist nicht einfach willkürlich und beliebig, wie konservative Polemik immer wieder unterstellt. Hetero- und Homosexuelle Partnerschaften haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Das eine ist nicht das Gegenteil des anderen, so wie Xenophobie etwa das Gegenteil der Liebe zum Fremden ist.

Die Diskussion wird uns noch eine Weile begleiten. Es sind ja auch noch längst nicht alle Reste des Patriarchats verschwunden, wie ein Blick in die Ökumene zeigt. Es wird immer wieder Versuche geben, die alte Ordnung zu restaurieren, wie etwa in Lettland. Nur das Scheinargument, dass die eine Position bibeltreu und die andere zeitgeistbedingt ist, das lässt sich nicht halten. Zumal nicht in Zeiten, wo der Zeitgeist sich so reaktionär gibt wie im Augenblick.

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Pfingsten, oder: Wie wir den Mund aufbekommen, ohne ihn zu voll zu nehmen

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott kommt, damit wir verstehen, was uns von Gott geschenkt worden ist.
Und davon reden wir, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern mit Worten, wie der Geist sie lehrt, indem wir für Geistliches geistliche Bilder brauchen.
Der natürliche Mensch aber erfasst nicht, was aus dem Geist Gottes kommt, denn für ihn ist es Torheit; und er kann es nicht erkennen, weil es nur geistlich zu beurteilen ist.
Wer aber aus dem Geist lebt, beurteilt alles, er selbst aber wird von niemandem beurteilt.
Denn wer hätte die Gedanken des Herrn erkannt, dass er ihn unterwiese? Wir aber haben die Gedanken Christi. (1.Kor 2,12-16)

I.

Wie erklärst du etwas in dieser Welt, das sich gar nicht aus ihr heraus verstehen und herleiten lässt? Wie sprichst du über eine Erfahrung, die so neu und einzigartig ist, ohne dass du sie schon durch die Worte und Begriffe, die du verwendest, zu etwas Gewöhnlichem machst?

Liebende stehen vor diesem Problem, dass alles schon tausendfach gesagt wurde. Weil der Fall „x liebt y“ jeden Tag hunderttausendmal eintritt auf diesem Planeten, so dass er für den unbeteiligten Beobachter nun wirklich nichts Besonderes mehr ist. Zigfach wird er jede Woche auf Leinwänden und Bildschirmen zur Schau gestellt. Und wenn mich selbst einmal der Blitz trifft und plötzlich alles in mir brennt, stellt sich scheinbar nur noch die Frage, welche dieser Szenen ich imitiere, welche Gesten und welche Phrasen ich herausgreife aus dem Repertoire, das sich im Laufe der Zeit angesammelt hat, und daraus mein eigenes Geständnis zu recyceln.

Umberto Eco („Der Name der Rose“) hat sich darüber Gedanken gemacht: Ein Mann, der eine gebildete Frau liebt, kann nicht einfach zu ihr sagen: Ich liebe dich wahnsinnig. Denn er weiß, dass sie weiß, (und sie weiß, dass er weiß), das hat Barbara Cartland [oder irgendeine andere Autorin von Liebesromanen] so geschrieben. Aber er hat einen Ausweg, er kann sagen: „Barbara Cartland würde es so sagen: Ich liebe dich wahnsinnig.“ Damit hat er zu erkennen gegeben, dass er so einen Satz nicht naiv sagt, sondern dass er weiß, dass es kein unschuldiges, unverbrauchtes Reden mehr gibt. Sie aber kann sich auf dieses Geständnis einlassen und es als Liebeserklärung in einer Zeit verlorener Unschuld annehmen. Sie kommt mit einem ironischen Augenzwinkern daher, aber gerade darin ist sie aufrichtig.

Es gibt auch im Blick auf Gott kein unschuldiges, unverbrauchtes Reden mehr. Aber deswegen nicht mehr über Gott zu reden, weil mich das vor die schwierige Aufgabe stellt, so von ihm zu reden, dass es nicht so klingt, als wüsste ich nichts davon, wie Gottes Name schon missbraucht worden ist – welche plumpen und gedankenlosen Bilder und Begriffe ihm schon angehängt wurden, in welche verheerenden Verwicklungen wir ihn damit gebracht haben: mit den Mächtigen und Maßlosen, den Selbstherrlichen und Selbstgerechten, den Engstirnigen und Missgünstigen – deswegen zu resignieren und zu verstummen, ist keine Lösung. Der Liebende kann seine Liebe nicht verschweigen, er muss einen Weg finden, sie zu bezeugen. Aber es wird ihm alles abverlangen. Hundertmal wird er seine Liebeserklärung im Geist durchspielen, um im entscheidenden Moment alles zu vergessen und wie ein blutiger Anfänger dazustehen. Denn genau das ist es ja in dem Moment: Absolut neu und mit nichts anderem zu vergleichen.

Die Macher von Vier Hochzeiten und ein Todesfall hatten ihren Eco offenbar  gelesen:

Das Gute ist, dass im Idealfall der erwiderten Liebe die andere Person genau denselben Ausnahmezustand erlebt. Dann wird sie mein Stammeln und Schweigen, Reden und Rudern, Ansetzen und Abbrechen, um wieder neu zu beginnen, richtig verstehen: als den fast – aber nicht völlig – aussichtslosen Versuch, das Außerordentliche zu sagen und mein Innerstes zu offenbaren. Sie wird geneigt sein, den austauschbaren Worten ihre unverwechselbare Bedeutung abzulauschen.

Dasselbe gibt es auch im Blick auf Gott: Menschen, die empfänglich sind für die Andeutungen, die wir machen. Für jene Sätze, die wir aussprechen, nur um sie gleich wieder halb zurückzunehmen und dann diesen Versuch noch mit anderen Worten, Metaphern, Symbolen zu wiederholen. Die all das nicht als ein Herumreden um den heißen Brei verstehen, sondern spüren, dass wir das Eigentliche nur umkreisen können, ohne den Finger drauf zu legen. Und während wir es umkreisen, warten wir darauf, dass es sich selbst mitteilt und zu erkennen gibt.

So war es bei den Aposteln, scheint mir: Petrus musste an Pfingsten, als Gottes Geist ausbrach, erklären, warum Menschen, die sogar für fremdsprachige Gäste verstehbar redeten, nicht besoffen waren, sondern bei klarem Verstand. Und Paulus schreibt vom Seufzen und Stöhnen derer, die im Geist beten,  so „wie ein Wolf heult“. Da sprengt die Sehnsucht alle Begriffe.

All dieses Reden unter Einwirkung des Geistes, all dieses unbeholfene Hantieren mit Gesten, Bildern und Begriffen ist zugleich das krasse Gegenstück zu der selbstgenügsamen Insidersprache, die nichts mehr riskieren muss, weil sie zur starren Konvention geronnen ist und sich gar nicht mehr davon irritieren lässt, dass sie außerhalb der eigenen Blase niemanden mehr aufhorchen lässt. Jener Sprache, an der die Kirche „verreckt“.

II.

Nicht nicht von Gott reden zu können, auch das haben Petrus und Paulus erlebt, katapultiert uns mitten hinein in all die Missverständnisse und den Streit um Religion und Wahrheit, und in die Leidensgeschichten, die dieser Streit über Generationen hinweg hervorgebracht hat. Immer wieder wurde und wird „die Religion“ an sich dabei zum Problem erklärt. Aus der Perspektive des „natürlichen Menschen“, der die Welt um sich herum betrachtet und deutet, kann das sehr plausibel erscheinen. Diese Woche schreibt Mateja Meded, die aus Ex-Jugoslawien flüchtete und in Erlangen aufwuchs, in der Zeit, dass Religionen unsere Welt spalten, Gewalt verursachen und Frauen unterdrücken. Und sie kann das mit Erfahrungen belegen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. So lautet ihr Lösungsvorschlag:

„Ich würde gern die Heilige Schrift umschreiben: Am Anfang schuf Gott den Mann, und dann, aus seiner Rippe, die Frau. Und da erschien Nebel, und heraus kam noch eine Frau und sie erschuf sich eigenhändig ein Schwert und rammte es Gott in den Bauch und sprach: „Mich hat eine Frau erschaffen und nicht du. Und nun mach Platz und nimm deine Stockholmsyndrom-Frauen mit, denn jetzt kommen wir. Und wir bauen eine neue Welt, die auf Selbstliebe, Empathie und Sensibilität beruht und in der die Natur und die Tiere verehrt werden.“

Die monströse Gewalt der Welt wird ihrerseits durch einen Akt der Gewalt beseitigt: Der böse, herrschsüchtige und blutrünstige Gott der Religionen wird ermordet. Das liegt irgendwo zwischen Nietzsches Ausruf „Wir haben Gott getötet“, der Sage von Prometheus, der den Göttern das Feuer nimmt und es den Menschen gibt (heute können wir, als Spätfolge davon, Atombomben bauen), und den antiken Mythen von der Entstehung der Welt aus Chaoskampf und Göttermord mit ihrer Botschaft von der erlösenden Gewalt. Es zeigt die ganze Ratlosigkeit und ohnmächtige Wut über eine Welt, in der Gottes Name immer wieder dafür herhalten muss, menschliche Grausamkeit zu verklären.

Als Menschen, die von Gott nicht schweigen können, stehen wir mitten in diesem Gemetzel an der Menschheit und Natur im Namen der Religion oder zur Vernichtung aller Religion im Namen der Superreligion aus Sensibilität, Geschlechtergerechtigkeit und Naturverehrung. Auf diesem Schlachtfeld ist das Missverstehen der Normalfall und jede gelingende Verständigung ein glattes Wunder.

III.

An Pfingsten erinnern wir uns an die Geschichte dieses Wunders und wir feiern, dass es immer noch passiert, bis heute.

Denn es gibt diese Momente wo – wie an Pfingsten – Gott sich unserer menschlichen Worte bedient und bei Menschen Gehör findet. Momente, in denen die üblichen Missverständnisse ausbleiben und jemand ergriffen und elektrisiert ist, weil sie oder er merkt: Hier geht gerade eine Tür auf in eine andere Welt, oder besser: Ich finde einen neuen, tieferen und heilsamen Zugang zu Gott, zu mir selbst und zu dieser Welt, die – wie ich jetzt sehe – Gottes Welt ist.

Tim Marshall

Vielleicht sind es nicht dreitausend an einem Tag, aber das ist ja auch für biblische Verhältnisse eine einmalige Sache. Das Wunder liegt ja nicht in der stattlichen Zahl, sondern im Verstehen. Vielleicht ist es aber doch mehr als alle dreitausend Tage einer. Vor allem dann, wenn wir das Wunder fröhlich erwarten und uns nicht aus Furcht vor Zurückweisung hinter die Kirchenmauern oder ins Private zurückziehen – in all jene Bereiche, wo wir damit rechnen können, unangefochten zu sein.

Pfingsten bedeutet nicht, anderen etwas aufzudrängen; aber es bedeutet, um der anderen und um Gottes willen den eigenen Mund auf zu kriegen, unbefangen das Minenfeld der Missverstehens zu betreten, ja uns dahin vom Geist Gottes buchstäblich treiben zu lassen. Und dort mit dieser doppelten Resonanz von Zustimmung und Zurückweisung zu leben. Selbst wenn die Zustimmung nicht der Regelfall ist, so wiegt ein einziges Paar leuchtende Augen all die gleichgültigen oder feindseligen Blicke auf.

IV.

Gott schickt uns an Pfingsten auf die Straßen der Welt als „Arme im Geist“, die sein Geheimnis nicht in allgemeingültige Formeln und absolute Begriffe packen können – als Leute, die im Verstehen und Beschreiben Gottes ständig stolpern und stottern, die dabei schmerzhaft missverstanden werden (oft nicht nur von jenen, denen Religion fremd ist, sondern mehr und erbitterter noch von denen, die sie wieder groß machen wollen). 

Wir leben mit dem Missverständnis und dem Spott derer, die schnelle und simple Erklärungen – besoffen, irrational, idealistische Gutmenschen – für große und komplexe Sachverhalte vorziehen, oder die vor lauter Eile im Vorbeigehen nicht genau hinsehen und -hören. Gott gibt uns keine Garantie, dass wir verstanden und bestätigt werden. Jesus wurde es auch nicht.

Daher tut es gut, dass wir uns von Paulus daran erinnern lassen: Wenn uns jemand abschreibt oder abkanzelt, ist das nicht Gottes Urteil – weder wichtig noch endgültig. Am besten nehmen wir es uns nicht allzu sehr zu Herzen oder wir schütteln wie die Jünger, die Jesus in die Dörfer Galiläas schickt, den Staub der Ablehnung von unseren Füßen, um unbelastet weiter gehen zu können.

Der Satz „Wer aber aus dem Geist lebt, beurteilt alles, er selbst aber wird von niemandem beurteilt“ könnte freilich auch so missverstanden werden: „Christen bekritteln alles und jeden und wollen alles bestimmen – und zugleich lassen sich nichts sagen, verbitten sich jede Kritik und unterstellen ihren Andersdenkenden böse Absichten.“

Christen, die Gottes Geist vertrauen, wissen, dass sie keinen Anspruch darauf haben, verstanden zu werden, wenn sie von Gott reden. Sie freuen sich, wenn es geschieht, und bleiben gelassen und geduldig, wenn es misslingt. Sie machen sich überhaupt nicht so viele Gedanken über sich selbst, weil sie Gottes Urteil kennen: „Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sagt Paulus, sondern den Geist, der von Gott kommt, damit wir verstehen, was uns von Gott geschenkt worden ist:

Das Wunder, dass wir Gott in einer Welt reden hören, die ihre Unschuld verloren hat.

Die Verblüffung, dass er es riskiert, Menschen für sich sprechen zu lassen.

Der ausgelassene Mut, ihm fortan meine Stimme zu geben.

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Geist für alle und jeden

Als ich heute einen Blick auf die Pfingstgeschichte warf, fiel mir auf, wie oft die Begriffe „alle“ und „jeder“ darin vorkommen. Und zwar immer schön im Wechsel:

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Alle gerieten außer sich und waren ratlos.

Das schon sehr bemerkenswert in einer Zeit, in der Religion als Mittel verwendet wird, um eine ähnlich bunte, vielfältige Gesellschaft wie damals in Jerusalem zu spalten, um Mehrheiten zu gewinnen, indem man Minderheiten auf das Fremdartige  reduziert und mit düsteren Stereotypen und Schablonen möglichst viel Angst schürt. In einer Gesellschaft, in der es immer öfter nicht mehr darum geht, jeder und jedem gerecht zu werden, sondern wo manche meinen, ihr unbehelligtes Erbrechen von Vorurteilen und Ressentiments gegen alles Missliebige als Gipfel der Menschenrechte feier zu müssen, da erinnert uns Pfingsten daran, dass Gottes Geist alle und jede(n) ansprechen will  – auch wenn nicht alle und jede(r) gleich zustimmend darauf reagieren.

Die eine Sache, die sich geistbewegte Menschen auf keinen Fall leisten sollten, ist: Andere aufgrund von Sprache, Kultur, Herkunft, Religion und Hautfarbe als solche Leute abzuschreiben, die man vernachlässigen kann oder gar meiden muss. Wo solche Mauern hochgezogen werden, da ist auch der Geist ausgesperrt.

Lassen wir ihn sein Werk tun – so lange und so oft es ihm gefällt! Die Türen bleiben offen. Pfingsten ist einfach ein krasses Fest.

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Bitte weiter gehen!

„Weiter gehen“ lautet das Motto des landeskirchlichen Ehrenamtspreises 2018. Untertitel: „missionarisch Kirche sein“. Ich bin gespannt, wer diesmal die Preisträger sind.

Wirft man einen Blick auf die vier Projekte, die im Vorjahr unter der Überschrift „Veränderung auf Schritt und Tritt“ ausgezeichnet wurden, dann fällt eine Gemeinsamkeit auf: Sie finden allesamt in kirchlichen Gebäuden statt, in einem Fall wurde sogar eines eigens errichtet. Und drei der vier – die Wuselkirche, die Frühstückskirche, die Vesperkirche – haben in der einen oder anderen Form mit gemeinsamem Essen zu tun. Natürlich gibt es auch viele Unterschiede, aber ich fand das schon bemerkenswert: Veränderung zeigt sich anno 2017 darin, dass Tischgemeinschaft in den Kirchen wieder eine Sättigungskomponente und damit verbunden ein Gemeinschaftselement erhält.


Annie Spratt

Das Festmahl spielt auch im Gleichnis vom verlorenen Sohn eine wichtige Rolle. Erik Flügge hat es im Blick auf seine katholische Kirche kürzlich mit einem provokativen Perspektivwechsel interpretiert:

Nicht die anderen sind verlorene Söhne, sondern die Aktiven in den Gemeinden sind es. Die haben das Erbe genommen und es verprasst. Verprasst für Orgeln und Kirchenbauten, Küchen im Gemeindehaus und Fachstellen. Langsam wird das Leben in den Gemeinden knapp. Immer weniger ist los, und das frustriert. Das Gemeindeleben fühlt sich hohl an ohne die Familie, die wir irgendwo zurückgelassen haben. Der letzte Rest Gemeindeleben ist viel zu oft so frustrierend wie das Schweinehüten. Die Aktiven in der Kirche sind der verlorene Sohn, der in der Ferne wehmütig an den eigenen Vater denkt. Sie sind diejenigen, die aufbrechen und zurückkommen in der Hoffnung, dass sie fröhlich empfangen werden.

Ein Aufbruch zu Gott, der sich nicht im vertrauten Rahmen kirchlicher Gebäude und Rituale offenbart, sondern im Fremden und Befremdlichen, beim Rest der Familie, der am kirchlichen Leben nicht mehr oder kaum noch teilnimmt. Auf der Frühjahrssynode hat Hans-Hermann Pompe vom ZMiR diese Bewegung unter der Überschrift „Vom Erwarten zum Hingehen“ beschrieben. Dass er dann gleich auf den „Back to church Sunday“ zu sprechen kommt, verrät die Sorge, die Aktiven in Haupt- und Ehrenamt mit Kritik an der üblichen „Komm-Struktur“ und ihren Begrenzungen zu überfordern. Irgendwem geht alles konkrete „weiter gehen“ ja meistens schon  wieder viel zu weit…

Aber vielleicht zeigen ja die Ehrenamtlichen von der Basis, wie das mit dem „weiter gehen“ funktionieren kann; und vielleicht honoriert die Jury in diesem Jahr solche Projekte, die sich vom sicheren eigenen Turf herunter wagen. Räumlich, aber auch kulturell und mental.

Und gern wieder mit Essen!

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Liturgie und Kultur des Engagements

Ich hatte hier ja schon vor einem Jahr die unterschiedlichen Gottesdienstkulturen beschrieben, zwischen denen ich mich die letzten zwei Jahre bewegt habe. Einen Punkt habe ich dabei allerdings übergangen. Er taucht auch in den meisten Abhandlungen über Liturgik kaum auf: Die Ansagen oder „Abkündigungen“ (das Wort habe ich bisher nur in Kirchen gehört).

Elliot Sloman

In St. Leonhard bekommen die Gottesdienstbesucher*innen jeden Sonntag ein Blatt ausgeteilt, auf dem neben dem Predigttext und dem Wochenspruch die wichtigsten Informationen zu Kollekten, Taufen und Beerdigungen und besonderen Veranstaltungen der nächsten Zeit stehen. Da alle lesen können, wird dazu in aller Regel auch nichts mehr gesagt – weder vom Pfarrer noch von irgendwem sonst. Das ist maximale Effizienz.

Bei ELIA ist das ein Teil, der (trotz gegenteiliger Bemühungen) auch einmal ausufern kann. Man sieht unterschiedliche Gesichter, die zu Aktionen und Veranstaltungen einladen, es wird von vergangenen Ereignissen erzählt, an schon Gesagtes erinnert, ab und zu kommen auch Gäste zu Wort. Das ist manchmal nicht ganz effizient, gelegentlich entstehen gewisse Längen, aber es hat eine wichtige Funktion:

  • Erstens wird deutlich, dass das Gemeindeleben sich nicht im Gottesdienst erschöpft.
  • Zweitens spürt man, dass die Mitwirkung vieler nötig und erwünscht ist. Ein Ethos des Engagements wird gepflegt.
  • Drittens werden Gelegenheiten zum Gespräch und zur Nachfrage geschaffen. Wer Kontakt sucht, kann auf eine Person, die da vorne gestanden und gesprochen hat, zugehen und sich erkundigen. Oder an einer Sache hingehen, die beworben wurde.

Der Wert und Sinn von Abkündigungen besteht also darin, dass sich hier die Gemeinde immer wieder neu verabredet, Gottes Willen zu tun und an seinem Werk teilzunehmen. Das ist keine geringe Sache. Und wenn man für einen Augenblick den Gedanken von Tom Wright ernst nimmt, dass im Grunde die gottesdienstliche Liturgie den fünf Akten der offenen Geschichte Gottes folgt, und dass wir alle im letzten dieser fünf Akte leben und mitwirken, dann müsste jeder Gottesdienst, der sich ernst nimmt, solche Verabredungen enthalten. So wie jedes Bibelteilen vor dem abschließenden Gebet die Frage nach dem Handeln stellt, wenn es richtig läuft (und nicht alle zu früh schon zufrieden sind).

Es geht nicht um Information, sondern um Interaktion. Es geht um eine Kultur des Engagements. Das ist kein belangloser Anhang an die Verkündigung des Evangeliums, sondern ihre natürliche Wirkung.

So, und jetzt lasst uns überlegen, wie wir dieses gottesdienstliche Element möglichst ansprechend und schön gestalten. Falls jemand vorhat, ein Buch über Gottesdienstlehre zu schreiben (oder jemanden kennt, der daran arbeitet): Bitte dafür ein Kapitel einplanen, nicht nur ein paar Zeilen!

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Ostern – lässt sich Freude anknipsen?

Christliche Osterfreude kann und darf ausgelassen sein. Manchmal denken wir, sie sollte das unbedingt sein, und dann wird mit etwas Bombast nachgeholfen. Daraus kann dann eine Kluft zwischen der erwarteten und der echten Freude entstehen, die anstrengend bis frustrierend ausfällt. Es klappt nicht so recht, den Schalter auf Partystimmung umzulegen.

Einen anderen Weg zeigt das Osterevangelium aus Johannes 20. Dort ist Maria Magdalena die erste, die am Grab erscheint, und die letzte, die es verlässt. Die anderen Akteure – namentlich Petrus und der Lieblingsjünger – rennen hin, sehen sich kurz um und sind schon wieder weg: Vermutlich um über ihre Feststellungen zu informieren, diese zu interpretieren und etwas zu initiieren. Dabei haben sie, wie Vers 9 beiläufig verrät, noch gar nichts verstanden.

Noch nichts verstanden hat auch Maria. Aber sie bleibt am leeren Grab: Nicht nur ist ihr der Herr genommen worden, sondern nun auch noch auch der Ort, an dem sie um ihn trauern kann. Weinend wirft sie einen erneuten Blick hinein. Und nun liegen da nicht nur die Leinenbinden, sondern es sitzen zwei Engel da, die nach dem Grund ihrer Traurigkeit fragen.

Weiter geht das Gespräch nicht, weil eine weitere Person im Grab erscheint. Maria richtet die nun Frage nach dem Verbleib des Leichnams an ihn. Sie geht an ihm vorbei wieder nach draußen; offenbar erwartet sie keine erhellende Auskunft mehr. Doch dann hört sie ihren Namen. Und alles ist anders.

Vielleicht ist das die Antwort auf die Osterfreude. Sie kommt stellt sich nicht zu einem bestimmten Datum von selbst ein, idealerweise am Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang. Sie kommt, wenn ich am Grab warte, bis ich meinen Namen höre. Vielleicht sind alle anderen da schon wieder gegangen, vielleicht sind noch andere da, die uns nach meiner Trauer fragen. Vielleicht gebe ich irgendwann sogar die Erwartung auf, dass es hier noch etwas zu entdecken gibt, was mir hilft.

Schon im Weggehen hört Maria plötzlich ihren Namen. Und alles löst sich, als sie sich noch einmal umdreht und antwortet: „Rabbuni“.

Manchmal muss man einfach dableiben und warten.

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(K)ein Stellenangebot

Ein paar haben es schon mitbekommen, dass meine Zeit bei ELIA im Sommer zu Ende geht. Die offizielle Stellenausschreibung ist mittlerweile hier zu finden, aber ich dachte, ich schreibe hier einmal eine ganz persönlich gefärbte, inoffizielle. Vielleicht bekommt ja jemand von Euch Lust, sich danach auch die offizielle anzusehen, oder jemand fällt jemand ein, der Lust darauf haben könnte.

Mar Newhall

Da ist zunächst einmal die Gemeinde: Ich glaube, sie hat das Charisma, Grenzen zu verwischen. Wo andernorts ein „oder“ zu erwarten wäre, steht hier oft ein „und“. Bei Frömmigkeitsstilen triffst du hier Softpop-Lobpreiser, Tagzeitenbeter oder Kontemplative an. Manchen liegt viel an familiärer Nestwärme, andere sind froh über die Möglichkeit, ihre Distanz wahren zu können. Manchmal musst du Konflikte moderieren, manchmal wirst du in welche verwickelt, und manchmal musst du auch den Anstoß dazu geben, latente Spannungen auszutragen. Du bekommst es mit Flüchtlingshelfern, Öko-Aktivisten und Weltmissions-Netzwerkern zu tun, mit Linken und Bürgerlichen, Liberalen und Biblizisten, Kinderlosen und Kinderreichen, Hellhörigen und Schwerhörigen – und dem kompletten Altersspektrum vom Säugling bis zum (nach eigener Einschätzung stets jungdynamischen) Senior.

Viele von diesen Menschen arbeiten schon jetzt ehrenamtlich mit oder sind darauf ansprechbar: In der Seelsorge, Kinder- und Jugendarbeit, rund um die technische und musikalische Gestaltung der Gottesdienste, in einem der vielen Projekte, die hier entstehen und irgendwann auch wieder beerdigt werden, und in der Leitung der Gemeinde. Sie mögen es selten, wenn man sie bevormundet, aber sie freuen sich meistens auf ein Gegenüber: Hochmotivierte Leute, die als Christen in ihrem Beruf ihre Frau/ihren Mann stehen, die oft gut ausgebildet und in Glaubensfragen sprachfähig sind: Katholiken, Freikirchler, und eine Mehrheit, die der Evangelisch-Lutherischen Kirche angehört.

Du würdest mit profilierten Kolleginnen zusammenarbeiten, die ihre Arbeitsbereiche souverän entwickeln und kirchlich wie kommunal gut vernetzt sind. Und mit einem Vorstand, der intensiv Anteil nimmt an allem, was in der Gemeinde geschieht. Im Vergleich zum klassischen Pfarrdienst ist noch interessant: Schulunterricht gehört nicht zu deinen Aufgaben, die üblichen  Kasualien sind vergleichsweise selten, vor allem aber kommen mehr Taufen  auf dich zu als Beerdigungen. Mit den Gremien und Vertreter*innen des evangelischen Dekanats hast du immer wieder zu tun, da ist momentan auch vieles in Bewegung.

Schließlich: Alles bei ELIA finanziert sich aus freiwilligen Spenden, das funktioniert seit 25 Jahren gut (wenn man kein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis hat…).

Was solltest du mitbringen? Ich denke, es hilft, wenn du…

  • theologisch versiert und vor allem mehrsprachig bist, also von einem Dialekt in den anderen übersetzen kannst,
  • eher in Kategorien von Beziehung als von Ordnung denkst,
  • Humor mitbringst und dich selbst nicht so schrecklich ernst nimmst,
  • Veränderungen nicht als Zumutung empfindest,
  • eigene Positionen einbringen und verständlich machen kannst,
  • keine Minderwertigkeitskomplexe oder Ressentiments gegenüber Akademikern hast (damit lebt es sich in dieser Stadt ganz schlecht!).

Wenn du diesen Text bis zu Ende gelesen hast, und falls er Herzklopfen verursacht hat, Sehnsucht oder Neugier, dann helfe ich gern weiter, oder du schreibst direkt an  elia-verein@elia-erlangen.de.

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Gott und die ganze Welt beherbergen

Der Prüfungsgottesdienst liegt hinter mir, das Prüfungsgespräch ebenfalls. Vielleicht hat sich die Kommission inzwischen auch schon auf eine Bewertung geeinigt, irgendwann erfahre ich das dann auch in den nächsten Wochen. Aber ganz unbelastet von allen Bewertungen hier der Wortlaut der Predigt zu Offenbarung 1,9-18 für alle, die einfach so Lust haben, ihn zu lesen und sich ihren eigenen Reim drauf zu machen:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.

Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Es ist Sonntag in den Bergwerken von Patmos. Aber das kümmert dort niemand: Die Zwangsarbeit der Verbannten kennt keine Pause. Unter Tage verliert man ohnehin jedes Gefühl für Zeit. Drüben auf dem kleinasiatischen Festland feiern sie Gottesdienst – in Ephesus, Pergamon oder Smyrna. Hier sitzt der Seher Johannes einsam, im Staub, der unablässig aus den Eingeweiden des Berges rieselt. Es ist Sonntag, aber was macht das für einen Unterschied?

Dunkel geworden ist es auch über Juden und Christen im römischen Reich, seit Kaiser Domitian an die Macht gekommen ist. Immer wieder einmal wurden sie schikaniert oder diskriminiert, daran hatten sie sich gewöhnt. Nun aber werden einzelne von ihnen inhaftiert und deportiert – von der Justiz und den Sicherheitskräften, die immer gewalttätiger auftreten. Der Schatten der Angst legt sich über sie. Ist das der Anfang vom Ende für die Jesus-Bewegung?

Als der Herbst kalt und dunkel wurde, begann ich – wieder einmal – in Tolkiens „Herr der Ringe“ zu lesen. Im Unterschied zu früheren Jahren merkte ich, wie schon in den ersten Kapiteln bestimmte Sätze in mir ganz viel zum Klingen brachten:

  • „Gerüchte verbreiteten sich über merkwürdige Dinge, die draußen in der Welt geschahen.“
  • „Frodo traf jetzt oft fremde … aus fernen Ländern, die im Westen Zuflucht suchten. Sie waren besorgt und manche sprachen im Flüsterton von dem Feind und dem Lande Mordor.“
  • „Von dort breitete sich die Macht weiter aus und im fernen Osten und Süden wurden Kriege geführt, und die Furcht wuchs.“
  • „ … selbst die Taubsten und die hartnäckigsten Stubenhocker hörten sonderbare Erzählungen, und diejenigen, die an den Grenzen ihren Geschäften nachgingen, sahen merkwürdige Dinge.“

Die Welt verdüstert sich. Das Lebensgefühl trübt sich ein, selbst in der heilen Welt des abgelegenen Auenlandes. Fremde kommen ins Land auf der Flucht von Kriegen im Osten und Süden, und sie haben unheilvolle Nachrichten im Gepäck: Es braut sich etwas zusammen. Tolkien hat diese Sätze zwei Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geschrieben. Das ist keineswegs nur eine Phantasiegeschichte, es ist vielmehr ein Spiegel seiner Zeit.

Und – das eben war mein Gefühl beim Lesen – womöglich auch unserer Zeit: Rabbi Jonathan Sacks fragte kürzlich einen amerikanischen Freund, wie er die Wahl von Donald Trump erlebte. Der antwortete sarkastisch: Wie der Mann, der an Deck der Titanic in sein Whiskyglas starrt uns sagt: »Ich hatte zwar um Eis gebeten, aber das…«

Der Demokratieindex 2016 führt nur noch 19 von 167 Ländern weltweit als „vollständige Demokratien“, dort leben zusammengerechnet nicht einmal mehr 5% der Weltbevölkerung. 2014 waren es noch 24 Länder und fast dreimal so viele Menschen. In fast der Hälfte aller Länder hat sich die Lage innerhalb des letzten Jahres verschlechtert. Freilich, das Reich Gottes ist mehr als Demokratie. Aber Jesus schließt autoritäre Herrschaft von Menschen über Menschen kategorisch aus.

Unser „Auenland“ ist kleiner geworden. Wir ahnen, wie sich „Mitgenossen an der Bedrängnis“ fühlen.

* * *

Es ist hier, wie so oft, der Gefangene, der die tröstet, die noch in Freiheit sind. Johannes tut das freilich nicht aus eigener Kraft und Antrieb. Ihm ist etwas widerfahren: In der Dunkelheit von Patmos hat er eine Vision. Eine Gestalt in Weiß und Gold erscheint, das Gesicht leuchtet blendend hell wie die Sonne, sieben Leuchter um ihn herum, sieben Sterne in der rechten Hand, eine Stimme tosend wie ein Wasserfall. Und als er zu sprechen beginnt, wird klar, um wen es sich handelt: „Ich war tot, aber nun lebe ich ewig und habe die Schlüssel zu Tod und Unterwelt.“ Der Seher ist da schon überwältigt zu Boden gegangen.“Wie tot“ ist er, aber die Berührung des Auferstandenen erweckt ihn zu neuem Leben.

Es ist Sonntag auf Patmos und die Dunkelheit hat einen tiefen Riss bekommen. Licht fällt auf den Verbannten, auf seine verschwitzten und verdreckten Kleider, auf seine Zweifel und sein Ringen mit der Aussichtslosigkeit seiner Lage. Das riesige Imperium und sein reizbarer Herrscher verfährt mit seinen Feinden (oder denen, die es dafür hält) anscheinend, wie es ihm beliebt. Johannes weiß aber auch, dass der, der ihm hier erscheint, selbst verhaftet und in Ketten gelegt, gefoltert und getötet wurde. Nur ist das eben nicht das Letzte, was es über ihn zu sagen gibt.

* * *

Es ist Sonntag, und während andernorts von ihm geredet wird, spricht der lebendige Christus hier auf Patmos, bei den Verbannten und Verdammten für sich selbst. Und die Verzweiflung weicht vor seinen Worten ein Stück zurück. Menschen brauchen solche Lichtblicke, um nicht zu resignieren – um sich und die Welt nicht aufzugeben. Johannes bekommt einen geschenkt, und weil er ihn aufgeschrieben hat, wissen auch wir davon – davon, wie das Licht bis in die Abgründe dieser Welt hinein scheint.

Johannes braucht den Lichtblick auch, weil gleich danach eine ganze Serie weiterer Visionen folgt. Sie malen das Gericht Gottes über eine Welt, in der unschuldige, wehrlose Menschen Gewalt leiden und Weltreiche wie das römische sich wie wildgewordene Monster gebärden, grell und surreal aus. Der Lichtblick am Anfang lässt ahnen, wie die Geschichte ausgehen wird. Deshalb kann er hinsehen und alles beschreiben, ohne darüber die Hoffnung zu verlieren. Der Tod ist entmachtet, und darüber verlieren seine Handlanger und Vorboten ihren Schrecken: Krieg, Katastrophen, Größenwahn, der Zerfall von Menschen und Gesellschaften.

Wir haben diesen Lichtblick nur als Erzählung. Das ist auf den ersten Blick reichlich wenig. Dafür haben wir mehr als eine von diesen Erzählungen. Wir haben heute im Evangelium schon gehört, wie Petrus, Jakobus und Johannes Jesus auf dem Berg Tabor verherrlicht sehen, und wie sie dort nicht bleiben konnten. Wir kennen die Geschichte von Paulus, dem Jesus vor Damaskus erscheint, so dass er stürzt und einige Tage lang blind ist, wie jemand, der in die Sonne geschaut hat. Diese Geschichten sind unwiderruflich in der Welt. Wir können uns von ihnen immer wieder daran erinnern lassen, dass unsere Zukunft nicht ungewiss ist.

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Es ist Sonntag in Nürnberg, der letzte nach Epiphanias. Die Zeit der Lichter geht zu Ende, das Kirchenjahr wird erst einmal düsterer und ernster weitergehen. Und die Welt vermutlich auch. Aber nun wissen wir ja – oder lernen es gerade: Wenn wir nach Hoffnung für uns und die Welt suchen, sollten wir das bei nicht bei den Mächtigen tun. Sondern bei denen, die niemand sehen soll und kaum jemand sehen will: Den politischen Gefangenen, den Misshandelten und Verleumdeten. Dort sind die prophetischen Stimmen am ehesten zu hören.

Einer, der erst weggesperrt und später ermordet wurde, war Dietrich Bonhoeffer. Pfingsten 1944, sieben Jahre nach Tolkiens düsterer Ahnung, schrieb er aus der Haft:

„Ich beobachte immer wieder, dass es so wenige Menschen gibt, die viele Dinge gleichzeitig in sich beherbergen können; wenn Flieger kommen, sind sie nur Angst; wenn es etwas Gutes zu essen gibt, sind sie nur Gier; wenn ihnen ein Wunsch fehlschlägt, sind sie nur verzweifelt; wenn etwas gelingt, sehen sie nichts anderes mehr. Sie gehen an der Fülle des Lebens und an der Ganzheit einer eigenen Existenz vorbei. […] Demgegenüber stellt uns das Christentum in viele verschiedene Dimensionen des Lebens zu gleicher Zeit; wir beherbergen gewissermaßen Gott und die ganze Welt in uns. Wir weinen mit den Weinenden und freuen uns zugleich mit den Fröhlichen; wir bangen … um unser Leben, aber wir müssen doch zugleich Gedanken denken, die uns viel wichtiger sind, als unser Leben.“

Gott und die ganze Welt in uns zu beherbergen – was für eine Aufgabe! In düsteren Zeiten brauchen wir allen Trost, den wir bekommen können. Den Trost des Sehers Johannes, den Trost von Dietrich Bonhoeffer, und den Trost, den wir uns gegenseitig spenden: Indem wir von unseren eigenen Lichtblicken erzählen und einander zuhören, indem wir lachen und weinen, klagen und danken, feiern und fasten – und uns an Jesus erinnern, der gekreuzigt und auferweckt wurde.

Denn die Fülle des Lebens auszukosten, das gelingt uns nicht ohne dabei auch die eine oder andere bittere und schmerzhafte Erfahrung zu machen. Wer sich immer nur auf der Sonnenseite aufhält, dem fehlt diese Tiefendimension. Dann wird selbst die Freude und der Genuss schal.

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In einem der düstersten Momente der Geschichte vom Herrn der Ringe kommt der Hobbit Pippin mit dem Zauberer Gandalf in eine Stadt ohne Hoffnung. Aber Gandalf versteht es offenbar, „Gott und die ganze Welt“ in sich zu beherbergen, denn er lacht auf einmal:

„Pippin schaute erstaunt auf das Gesicht, das jetzt dicht neben seinem war, denn das Lachen hatte fröhlich und vergnügt geklungen. Dennoch sah er im Gesicht des Zauberers Kummer- und Sorgenfalten; doch als er genauer hinschaute, erkannte er, dass sich unter alledem eine große Freude verbarg; eine Quelle der Heiterkeit, die gereicht hätte, ein ganzes Königreich zum Lachen zu bringen, wenn sie zu sprudeln begann.“

Es ist Sonntag in Nürnberg. Und wir dürfen ein bisschen fröhlicher und ein ganzes Stück trotziger und barmherziger in die düstere Welt hinaus blicken.

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Gott – kein Er/Sie/Es

Personsein und Geschlechtlichkeit lässt sich für uns Menschen schwer trennen, das zeigt die Debatte um das „Dritte Geschlecht“. Wenn wir aber den Personbegriff auf Gott beziehen, dann verstellt uns die Kategorie „Geschlecht“ den Blick und erschwert es, zu sinnvollen Aussagen zu gelangen: 

Als Subjekt seiner Geschichte ist Gott aber, wie Karl Barth sagt, „Nicht ein Es…, aber auch nicht ein Er wie geschöpfliche Personen, sondern … immer ein Ich.“ Heute müssen wir hinzufügen, Gott ist auch nicht eine „Sie“. Aus seiner Geschichte erschließt sich vielmehr, dass der „Ich werde sein, der ich sein werde“ (Ex 3,14) nicht weniger denn als Person gedacht werden kann.

Gunda Schneider-Flume in ihrem sympathischen „Grundkurs Dogmatik“

Alex Iby

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Friede ohne Menschen

Wahrscheinlich könnte man eine komplette Analyse der Gegenwartskultur über die Schlagwörter in Bilderdatenbanken erstellen. Zum Beispiel zum Thema Frieden. Ich war auf der Suche nach einen passenden Foto und bekam fast ausschließlich Bilder angeboten, auf denen entweder niemand zu sehen war, oder eine einzelne Person.

Frieden ist demzufolge nur dann möglich, wenn keine anderen Menschen da sind. So bald sie ins Bild kommen, stören sie den Frieden. Frieden als positives Verhältnis zwischen Menschen, vielleicht sogar zwischen vielen Menschen, so etwas kommt gar nicht recht in den Blick. Also beschränken wir uns auf spiegelglatte Bergseen und andere romantische Motive. Diese abgelegenen Orte finden bestenfalls als Fototapete den Weg in unsere quirlige, unruhige Welt, als dekorativer Kontrast.

Zeit, neue Bilder zu schaffen und an anderen Kontrasten zu arbeiten. Sonst ist Friede irgendwann nicht mehr anders zu denken als in der Isolation.

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Weisheit der Woche: Besser nichts Neues?

Vielleicht weil es ihre Hauptaufgabe ist, eine zweitausend Jahre alte Tradition zu bewahren und weiterzugeben, scheint die Kirche mehr interessiert daran, die Wahrheit zu verteidigen, als sie zu entdecken. Neue Wissenschaft, neue Theologie, neue Liturgie und neue Bildsprache werden üblicherweise eher herablassend oder gar ausgesprochen feindselig zur Kenntnis genommen. So als hätte Gott mehr mit dem zu tun, was schon geschehen ist, und weniger mit dem, was als nächstes geschieht. Wenn Sie das nicht glauben, bezeichnen sie den Heiligen Geist doch im nächsten Gottesdienst einfach mal als „sie“, und warten Sie die Reaktion ab.

Barbara Brown Taylor, The Luminous Web, S. 84

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Was würde Jesus zu Bastian Schweinsteiger sagen?

Der Fußball verabschiedet sich allmählich in die Sommerpause. Ich denke über Ikonographie nach: Wie Fußball und Glaube manchmal ähnliche Bilder hervorbringen.

Vordergründig hätten der orientalische Jesus und der germanische Recke, als der Bastian Schweinsteiger oft abgebildet wurde, wenig gemein. Aber zu diesen Bildern haben sich andere gesellt.

Das erste ist das vom Schmerzensmann. Zwei Szenen sind mir noch besonders bewusst: Die eine kennt vermutlich jeder, der blutende Kapitän aus dem WM-Finale 2014, dem seine Gegner eine Wunde nach der anderen zufügten und der mit stoischer Ruhe alles wegsteckte und uns Verrecken nicht liegenbleiben wollte.

Die andere, etwas weniger bekannte, ist aus dem „Finale dahoam“ von 2012, als der FC Bayern das Finale der Champions League verlor und Schweinsteiger im Elfmeterschießen den Innenpfosten traf. Später erfuhren alle, die es dann noch interessierte, dass er nach einem Tritt gegen die Wade insgesamt 115 Minuten mit Schmerzen weitergespielt hatte.

Zweitens ist da Schweinsteiger, der Abgeschriebene. Der Titel „Fußballgott“ wird immer wieder mal vergeben. Fast immer sind quasi-messianische Erwartungen daran geknüpft. Wehe, wenn sie enttäuscht werden! Kaum ein anderer Spieler wurde so oft von den Medien demontiert und gedemütigt wie Schweinsteiger in seiner Münchener Zeit. Und als er dann nach Manchester ging, kam Trainer Jose Mourinho und setzte das Spiel fort. Schweinsteiger ertrug alles ruhig und ohne die Aggression zu erwidern. Es war diese Haltung, mit der er seine Kritiker ein ums andere Mal widerlegte: Irgendwie unerbitterlich.

Wenn Jesus Bastian Schweinsteiger träfe, dann säßen zwei Ikonen zusammen. Zwei Schmerzensmänner, zwei Abgeschriebene, die einander viel zu erzählen hätten. Der eine hat sich für sein Team und die Fans aufgerieben (und ja, bevor das jemand meint anmerken zu müssen, er wurde dafür auch wirklich gut bezahlt), der andere – unbezahlt – für seine Nachfolger, für sein Volk und letztlich für die Menschheit.

Nachdem diese Rolle aber kein zweites Mal vergeben wird, denke ich, Jesus würde seinem Mitspieler Bastian den Arm um die Schulter legen und ihn fragen, wofür er sein Talent, Schmerzen und Verachtung zu ertragen, ohne dabei Mut und Motivation zu verlieren, als nächstes einsetzen möchte, wenn es mit dem „beautiful game“ irgendwann mal vorbei ist. Vielleicht gibt’s dafür weniger Geld, aber das ist dann auch nicht mehr wichtig, vermute ich.

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Mieses Image

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß?

Die Mächtigen dieser Welt achten sehr genau darauf, welche Bilder sie von sich veröffentlichen.

Da ist der Milliardär mit dem goldenen Haar,
in prunkvollen Gemächern mit goldenen Wasserhähnen,
umgeben von schönen Frauen, die natürlich alle
seinen umwerfenden Intellekt und Charakter bewundern,
die Ikone des Erfolgs.

Und da ist einer mit nacktem, muskulösem Oberkörper
hoch zu Ross oder lässig mit Jagdgewehr,
das Reiterstandbild des 21. Jahrhunderts,
die Ikone der Souveränität.

Und dann das:

Blutendes, rohes, wundes Fleisch
Ohnmächtig und nackt angenagelt
Verlierer, Opfer, Verschmähter, Gefolterter
schon das Hinsehen tut weh und ekelt an.
Die Ikone des Albtraums.

Was hast du dir dabei gedacht, Gott, als du dieses Bild von dir veröffentlicht hast? Damit ist kein Staat zu machen. Dafür bekommt man keine „Likes“. Kein Wunder, dass die Leute dir in Scharen davonlaufen.

Ich meine, fast 2000 Jahre bist du ohne Bild ausgekommen. Du hattest wirklich Zeit, dir zu überlegen, was du von dir veröffentlichst. Wie konnte das bloß passieren?

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Foto: unsplash.com

An wen hast du dabei gedacht? Die chronisch Kranken mit ihren offenen Beinen und künstlichem Ausgang? Die Geflüchteten mit ihren wunden Füßen und zerschlissenen Schuhen? Die Mundtoten und Weggesperrten, die keine unbequemen Wahrheiten mehr ausplaudern können? All diese Schattenmenschen – sind sie dir so viel wert?

Wenn so ein Bild einmal in der Welt ist, dann lässt sich das nicht mehr kontrollieren. Leute kopieren und teilen es, es wird verrissen und verglichen, verfärbt und verfremdet. Es gibt kein zurück mehr.

Aber dir scheint dieses ganze Schlamassel zu gefallen.

Oder?

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Verbote, Versuchungen und Versteckspiele

Hat die Schlange die Frau im Garten Eden belogen? Oder muss man, um Schaden zu verursachen und Menschen auf Abwege zu bringen, die Wahrheit vielleicht nur schlau und passend akzentuieren?

Und wie ist das mit dem Nacktsein und der Scham zu verstehen? Worüber gehen den Menschen die Augen auf, was macht das mit ihnen und wo berührt sich das mit unserem alltäglichen Bemühen, in einer Welt der Projektionen, Vorurteile und Unterstellungen die Deutungshoheit über uns selbst zu behalten?

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Bild: Unsplash.com

Morgen beginnt die Fastenzeit: Was kann christliche Spiritualität dazu beitragen, dass ich im Wirrwarr manipulativer Stimmen den Blick für die Wahrheit nicht verliere? Und wie lebe ich einigermaßen authentisch unter den Blicken und Erwartungen anderer?

Hier könnt Ihr hören, was mir dazu eingefallen ist.

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Die affige Mauer nach Mexiko

Mexikos Präsident hat das Treffen mit dem mächtigsten Mann der Welt abgesagt. Das ist keine Überraschung, wenn man betrachtet, wie zwischenmenschliche Kooperation funktioniert: Die meisten Menschen lehnen unfaire Angebote ab, selbst wenn sie dafür selbst Nachteile in Kauf nehmen müssen. Mexiko „mauert“ auf der Kommunikationsebene zurück: Eskalation statt Kooperation.

Der Anthropologe Mike Tomasello hat das intensiv erforscht: Wir Menschen zeichnen uns durch eine ausgeprägte Kooperationsfähigkeit aus. Wir sind dabei auch in der Lage, mit einer gewissen Selbstlosigkeit zu handeln, oder besser ausgedrückt, mit einem Blick auf das Gemeinwohl. Das unterscheidet uns von Primaten:

Affen sind rationale Maximierer und am Teilen so gut wie gar nicht interessiert. Im Gegensatz zu Menschen, die sich von früh an hüten, allzu unfaire Angebote zu machen, weil sie wissen, dass ihre Mitspieler genauso wie sie selbst solche durchaus zurückweisen, obwohl sie dann gar nichts bekommen.

„Teilen lernt nur, wer es schon kann“ steht über dem Bericht, den die FAZ damals zu Tomasellos Thesen geschrieben hat. Im Blick auf Donald Trump lässt diese Feststellung leider nur wenig Hoffnung aufkommen. Selbst Wahrheit und Fakten sind sein Exklusivbesitz.

Im Blick auf seine Wähler jedoch stellt sich die Frage nach der Fairness um so mehr: Wer sich als Verlierer fühlt, der sabotiert das Spiel eben auch dann, wenn er sich selbst dabei am meisten schadet. Genau davon profitieren die Rechten derzeit so massiv. Leider sind in diesem komplexen Spiel (anders als in bilateralen Szenarien wie zwischen zwei Regierungen) so viele verschiedene Akteure beteiligt, dass die Strafaktion oder der Protest sehr wahrscheinlich die falschen trifft – nämlich die, die auf allen Seiten der Mauer am Verwundbarsten sind.

Generell lautet der kategorische Imperativ in einer kosmopolitisierten Zeit „cooperate or die“, wie Ulrich Beck in Die Metamophose der Welt kurz und knackig formulierte. Mit Unabhängigkeitserklärungen hingegen lösen wir die unsere Probleme im 21. Jahrhundert nicht mehr. Wer, wie Tomasellos Primaten, vor allem auf einseitige Maximierung des Gewinns aus ist und jeden Deal als Nullsummenspiel betrachtet, der kann damit kurzfristig Erfolg haben.

Allerdings geht das dann zwangsläufig auf Kosten der Gemeinschaft, wie das Gefangenen-Dilemma zeigt. Wer also nicht vertrauen und teilen kann, der ist wirklich arm dran.

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