Geist für alle und jeden

Als ich heute einen Blick auf die Pfingstgeschichte warf, fiel mir auf, wie oft die Begriffe „alle“ und „jeder“ darin vorkommen. Und zwar immer schön im Wechsel:

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Alle gerieten außer sich und waren ratlos.

Das schon sehr bemerkenswert in einer Zeit, in der Religion als Mittel verwendet wird, um eine ähnlich bunte, vielfältige Gesellschaft wie damals in Jerusalem zu spalten, um Mehrheiten zu gewinnen, indem man Minderheiten auf das Fremdartige  reduziert und mit düsteren Stereotypen und Schablonen möglichst viel Angst schürt. In einer Gesellschaft, in der es immer öfter nicht mehr darum geht, jeder und jedem gerecht zu werden, sondern wo manche meinen, ihr unbehelligtes Erbrechen von Vorurteilen und Ressentiments gegen alles Missliebige als Gipfel der Menschenrechte feier zu müssen, da erinnert uns Pfingsten daran, dass Gottes Geist alle und jede(n) ansprechen will  – auch wenn nicht alle und jede(r) gleich zustimmend darauf reagieren.

Die eine Sache, die sich geistbewegte Menschen auf keinen Fall leisten sollten, ist: Andere aufgrund von Sprache, Kultur, Herkunft, Religion und Hautfarbe als solche Leute abzuschreiben, die man vernachlässigen kann oder gar meiden muss. Wo solche Mauern hochgezogen werden, da ist auch der Geist ausgesperrt.

Lassen wir ihn sein Werk tun – so lange und so oft es ihm gefällt! Die Türen bleiben offen. Pfingsten ist einfach ein krasses Fest.

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