Ehe ohne Trauschein?

Ich schreibe gerade an einem Artikel über das Abendmahl und habe dabei neben der Frage der Symbole unter anderem auch die Position der Heilsarmee studiert. Wegen der konfessionellen Grabenkriege verzichtet die Heilsarmee ganz auf Sakramente. Auf der Website heißt es dazu:

Nach Auffassung der Heilsarmee haben rituelle Handlungen nur dann einen Sinn, wenn auch ihr geistlicher Sinn erfasst und verwirklicht wird. Daher verzichtet sie auf die Sakramente als symbolische und äußerliche Handlung. Die geistliche Bedeutung jedoch, die hinter dem symbolischen Akt (Wassertaufe und Abendmahl) steht, wird von der Heilsarmee ausdrücklich vertreten.

Die Argumentation – wir wollen den Inhalt, aber verzichten auf die Form – hat mich an die Debatte um die Ehe erinnert. Da wird völlig analog beklagt, dass in der Ehe und um die Ehe gestritten wird, dass es Pro-Forma-Ehen gibt, die den Namen nicht verdienen, und dass ein Trauschein keine Liebe erzwingt. Folglich lässt sich die „geistliche“ (oder eigentliche) Sache vielleicht ohne solche Äußerlichkeiten besser und einfacher haben. Sie liegt ja sowieso „hinter dem symbolischen Akt“ – auf einer ganz anderen Ebene.

Damit bürdet man natürlich dem einzelnen noch viel größere Lasten auf, weil man die Erwartung an Authentizität erhöht. Nun muss man sich zumindest theoretisch in jedem Augenblick neu entscheiden und ständig kritisch beäugen. Ein Tief oder eine Durststrecke werden schnell zum existenziellen Fragezeichen, wenn jede äußere Klammer fehlt.

Man kann diese Logik pflegen und diese Position vertreten. Wenn man das aber beim Abendmahl tut, müsste man das bei der Ehe dann nicht auch machen? Oder es umgekehrt bleiben lassen? Dass diese Symbolkritik von der einzigen protestantischen Kirche stammt, die Uniform trägt und „Blut und Feuer“ im Wappen führt, entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen Ironie…

Share